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Armut und Ausgrenzung

Der französische Soziologe Serge Paugam hat zehn Jahre lang in ganz Europa Armut untersucht. In seinem Buch Le formes élémentaire de la pauvreté, das ins Deutsche übersetzt wurde (Die elementaren Formen der Armut, Hamburg 2008), fasst er seine Forschungsergebnisse zusammen. Er hat unter anderem untersucht, ob Armut zu sozialer Ausgrenzung führt. Dazu wurden die Bindungen zu anderen Menschen in vier Gruppen unterteilt (S. 99 - Seitenzahlen der deutschen Übersetzung):

 

  • die auf Abstammung beruhende Bindung
  • die auf gewählter Zugehörigkeit beruhende Bindung
  • die aus organischer Zugehörigkeit erwachsene Bindung
  • die aus der Staatsangehörigkeit erwachsene Bindung

„Die vier Bindungsformen sind unterschiedlicher Natur. Sie alle gewähren den Individuen zugleich den Schutz und die Anerkennung, die sie für ihre soziale Existenz brauchen.“ (S. 101) Der Mangel an sozialen Bindungen führt zu einem Mangel an Schutz und Anerkennung und damit zu einem existenziellen Mangel.


Mit Hilfe der Unterscheidung von vier Typen sozialer Bindung kann man empirisch überprüfen – messen –, inwieweit Armut zur sozialer Disqualifizierung – Ausgrenzung – führt. Paugam zeigt, dass Armut nicht in allen europäischen Ländern in gleicher Weise soziale Disqualifizierung zur Folge hat: Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Art und Weise, in der die Gesellschaft auf Armut reagiert, und dem Risiko sozialer Ausgrenzung.


Paugam unterscheidet drei Typen gesellschaftlichen Umgangs mit der Armut:

 

  • das öffentlich-individualistische Modell (skandinavische Länder)
  • das familialistische Modell (südeuropäische Länder) und
  • das Modell geteilter Verantwortlichkeit (Deutschland, Frankreich England, S. 103 ff).

Bemerkenswert ist, dass das Risiko, aufgrund von Armut soziale Ausgrenzung zu erfahren, in Ländern, deren Wohlfahrtssystem dem Modell geteilter Verantwortung – also auch in Deutschland – folgt, besonders hoch ist (S. 105).



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